Schlagwort: Wegeunfall

Arbeitsunfall auf Skiern? Privatwirtschaftliche Kundenbindungsreise unterliegt nicht dem gesetzlichen Unfallschutz

Die Grenze zwischen Arbeits- und Privatunfall verläuft oftmals in sehr schmalen Bahnen. Im Folgenden scheint der Fall eines Skiunfalls klarer als in manch anderen, die sich oft um sogenannte Wegeunfälle drehen. Wobei – wenn sich das Hessische Landessozialgericht (LSG) damit auseinandersetzen muss, sind damit zumindest zwei Instanzen mit der Frage beschäftigt gewesen: Muss die gesetzliche Unfallversicherung hier einspringen oder eben nicht?

Der Geschäftsführer eines Handelsunternehmens hatte für seine Firmenkunden eine sechstägige Skireise nach Aspen in Colorado organisiert, um die Kundenbindung zu intensivieren. Während einer Skiabfahrt brach er sich dann den Oberschenkel und wollte diesen Unfall folglich auch als Arbeitsunfall anerkannt erhalten. Die gesetzliche Unfallversicherung lehnte jedoch ab. Sie meinte, der Unfall habe sich nicht während einer versicherten Tätigkeit ereignet.

Auch das LSG wies die Klage des Geschäftsführers ab und gab damit auch dem zuvor damit beschäftigten Sozialgericht Recht. Die Skifahrt war in den Augen des Senats eine privatwirtschaftliche Tätigkeit und stand als solche Freizeitaktivität mit der versicherten Beschäftigung des Geschäftsführers in keinem sachlichen Zusammenhang. Die gesetzliche Unfallversicherung musste somit nicht einspringen.

Hinweis: Selbstverständlich gibt es immer wieder Reisen, die sowohl private als auch betriebliche Aktivitäten beinhalten. Für die Beschäftigten ist es aber wichtig zu wissen, dass Aktivitäten, die der Freizeit zuzuordnen sind, nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fallen.


Quelle: Hessisches LSG, Urt. v. 14.08.2020 – L 9 U 188/18

Thema: Sonstiges

Unfallversicherung

Unfallversicherung

Das Risiko eines Unfalles kann – neben der gesetzlichen Unfallversicherung, die für Arbeits- und Wegeunfälle gilt – auch durch einen private Unfallversicherung abgesichert werden. Dabei muss es sich nicht um einen Arbeitsunfall handeln, sondern es können auch andere Unfallrisiken versichert werden.

Vor allem sind Leistungen bei Invalidität versichert. Invalidität liegt vor, wenn der Unfall zu einer dauernden Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit geführt hat. Der Invaliditätsgrad wird nach festen Prozentsätzen bestimmt („Gliedertaxe“). Die Berechnung erfolgt auf Basis der versicherten Summe. Gegebenenfalls ist eine sog. progressive Invaliditätsstaffel vereinbart, welche die Leistung bei mehreren Beeinträchtigungen erhöht. Maßgeblich sind die Versicherungsbedingungen im Vertrag, die im Einzelfall genau zu prüfen sind.

Wichtig für den Anspruch auf eine Versicherungsleistung ist in jedem Fall, dass die Invalidität spätestens innerhalb eines Jahres nach dem Unfall eingetreten ist und spätestens vor Ablauf einer Frist von weiteren drei Monaten auch ärztlich festgestellt und geltend gemacht wird. Spätfolgen einer Verletzung sind vom Versicherungsschutz ausgenommen. Auf diese Fristen ist bei der Geltendmachung von Ansprüchen gegen den Versicherer dringend zu achten. Gerne unterstützen wir Sie in solchen Fällen bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche gegenüber Ihrem Versicherer.
Carola König

Carola König

T. 0202-38902-18

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